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Freie Kunstschule Waltershausen
Das Konzept FKW wurde im Auftrag der Stadt erstellt. Auf Vorschlag des Künstlers war geplant, eine freie Kunstschule in einer ehemaligen Modeschmuckfabrik von Waltershausen in Thüringen, der Puppenstadt Deutschlands, zu errichten. Daraus wurde nichts. Hier werden die Entwürfe für die Fassade des Hauses aus dem Jahr 1998 und das Konzept von 1999 vorgestellt.

 

wandfresko

Entwurf 2 Fassade FKW

 

wandfresko

Entwurf 3 Fassade FKW

 

Das Konzept

FREIE KUNSTSCHULE WALTERSHAUSEN
FKW

©
Ch.W.Staudinger

 

 

logo freie kunstschule waltershausen

 

 

PRÄAMBEL

In der Jetztzeit hat freies Kunstschaffen einen sehr niedrigen Stellenwert. Wirtschaft, Politik, Sport, Wissenschaft genießen in unserer Gesellschaft wesentlich höhere Akzeptanz als die Kunst. Sie ist, wenn überhaupt, fünftes Rad am Wagen. Ein erbärmlich Ding. Dennoch pflegen sich die Protago-nisten der Trendsetterbereiche oft mit Produkten aus der Kunst zu schmücken. Statussymbol Kunst. Alte Kunst, wohlgemerkt. Anerkannte Kunst. Kunst, die bereits abgelagert ist. Doch Altes vermehrt sich nicht. Neues wird so gut wie nicht unterstützt oder gefördert. Leider haben unsere heutigen Künstler an dieser Misere einen gehörigen Anteil. In den traditio-nellen Disziplinen zumal besteht wenig Bedürfnis nach Zusammenarbeit (Individualisation). Jeder schafft für sich, was dazu führt, dass keine Lobby vorhanden ist, welche existenzielle Bedingungen erkämpfen könnte. Zudem - und das ist noch bedauerlicher - wird allzu oft das Handwerk abgelehnt oder gemieden. Heraus kommt dann, von Ausnahmen abgesehen, ein Haufen Müll, der seinen Mann nicht ernährt.

Kunst ist nicht lehr- oder lernbar. Kunstschöpfung ist Gabe. Doch keine Begabung, keine Berufung kann sich im Material manifestieren, wenn die Voraussetzungen für die Materialisation fehlen. Ein Transmitter muss her: Techniken, das Handwerk, was die Form schafft für den genialistischen Funken, den Inhalt, welcher ohne Gerüst unmanifestiert im Äther verglüht. Davon hat, außer dem Künstler selbst vielleicht, niemand etwas.

Darum lasst Manufakturen entstehen, Kunstschulen, betreut von Künstlern, die Handwerk als wichtige Form für ihre Schöpfung begreifen. Die dem Nachwuchs die Mittel in die Hände geben, welche diese benötigen, um ihr Seelisch-Geistiges im Material lebendig werden zu lassen.

 

MANIFEST DER FKW

I

Basis und Zentrum der FKW soll die Fusionierung zwischen Individuellem und Kollektivem, Kunst & Handwerk, Lehrer & Lernendem sein. Letzteres erst in der letzten Phase.

II

Die einzelnen, spezialisierten Klassen arbeiten ab einem bestimmten Punkt klassenübergreifend. "Riechen" sich in die anderen, von ihnen nicht favorisierten Gebiete ein.

III

Am Schluß dieses Prozesses steht das Gesamtkunstwerk, in welchem ein Jeder sein Spezielles gibt und dank der praktischen Hospitation in den anderen Feldern wird das "Fremde" als auch Eigenes erfahren.

Beispiel: Die Performance-Klasse erarbeitet eine Aktion, basierend auf einem zuvor von allen entwickelten Konzept. Die Bildhauerklasse schafft dafür Skulpturen oder Plastiken, welche in dem gegebenen Raum aufgestellt werden. Die Töpferei töpfert am lebenden Objekt. Die Maler bemalen Decken, Wände, Fußboden. Video- und Fotographenklasse erstellen davon Dokumentationen und experimentelle Clips & Fotos, welche nach dem life-act an passender Stelle wiederum präsentiert werden. Die Computer-Klasse sorgt dafür, dass dies medienwirksam im Internet erscheint. Siebdrucker entwickeln das Plakat für die Einladung der Konsumenten aus Stadt & Land in Kooperation mit den Lithographen. Der Direktor steht am Eingang und verkauft die Karten. Das eingenommene Geld bekommen zur Hälfte die Künstler und die FKW.

IV

Freies Spiel & Experiment stehen in gleichem Rang mit ringender, disziplinierter Arbeit und Übungen in Konzentration & Kontemplation.

V

Die entstandenen Arbeiten werden durch Ausstellungen, offene Kanäle, Vorführungen, Tage der offenen Tür und Internet sowohl einem lokalen als auch einem internationalen Publikum zugänglich gemacht.

VI

Der einheimischen Bevölkerung soll das Tun der FKW transparent gemacht werden: Vorträge, Hospitationen und gelegentliche Mitgestaltung für Interessierte.

VII

Bemühen um einen internationalen Lehr- & Lernkörper, damit auch fremde künstlerisch-kulturelle Strömungen sich mit dem Eigenen vernetzen können.

VIII

Üben & lernen von menschlicher Kommunikation, sowohl der einzelnen Individuen als auch der jeweiligen Disziplinen. Dazu gehört Begreifen des Machtgefüges zwischen Lehrenden (Meister) und Lernenden (Schüler). Transparentes Umgehen. Lernen, aggressiv-haßgeladene Positionen innerhalb der Manufaktur, der Klasse oder der notwendigen Bürokratie kreativ & effizient in schöpferisch Positives zu sublimieren.

IX

Kontaktaufnahme mit anderen, ähnlich arbeitenden Instituten

X

Organisation von Künstlerkongressen

 

AM ANFANG UND AM ENDE STEHT DER

MENSCH

NUTZEN WIR MATERIAL UND FORM

FÜR UNS

ES LEBE

D I E  S C H Ö P F U N G

 

ORGANISATION DER FKW

1.
Es werden zunächst 6 (7) Klassen eingerichtet. Jede Klasse wird von einem qualifizierten Meister geleitet und betreut. In jede Klasse werden max. 12 Schüler aufgenommen.

2.
Die gesamte Ausbildung beträgt 6 Semester (3 Jahre).

3.
Bewerben kann sich jeder In- oder Ausländer, welcher mindestens einen Hauptschulabschluß nachweisen kann und unter 30 Jahren alt ist.

4.
Wer zuerst kommt, malt zuerst. Das heißt, die ersten 12 Bewerber werden angenommen.

5.
Nach dem ersten Semester wird von allen Meistern entschieden, wer bleiben kann und wer gehen muss. Basis der Entscheidung ist vor allem Intuition, Kreativität & Sensibilität für Material & Prozeß. Einfache Mehrheit genügt.

6.
Da es für die gesamten Bereiche keine objektiven Kriterien gibt, sind es immer subjektive Entscheidungen der Lehrenden. Deshalb sind diese Entscheidungen nicht einklagbar.

7.
Einmal die Woche treffen sich die Lehrenden, um sich auszutauschen, abzustimmen und vorhandene Probleme zu lösen.

8.
Einmal im Monat trifft sich das gesamte Personal incl. Hausmeister, Sekretärin etc.

9.
Jeder Lehrende begleitet seine Lernenden vom 1. bis zum letzten Semester.

10.
In den letzten beiden Semestern gibt es Hospitationen in den Bereichen, welche nicht von den Lernenden belegt wurden.

11.
Die Ausbildung ist mit Ende des 6. Semesters abgeschlossen.

12.
Als Qualifikationsnachweis erhalten die Lernenden von der FKW ein Diplom.

13.
Ein 7. Semester wird fakultativ für alle angeboten. Hier sollen dem Künstler Informationen vermittelt werden, wie der Kunstmarkt funktioniert, wo es finanzielle Mittel gibt, wie ein souveräner Umgang mit Presse, Kuratoren, Galeristen & Kunstsammlern erfolgen kann.

 

DIE EINZELNEN KLASSEN

Zwei große Komplexe

A. Angewandte & freie Arbeit
B. Nur freie Arbeit

 

6 (7) Klassen

Bildhauerei (A)
Malerei (A)
Töpferei (A)
Siebdruck & Lithographie (A)
Fotographie, Video, Computer (A)
Performance, Rauminstallation (Environment) (B)

Puppenbau (A)

 

BILDHAUEREI (A)

Materialkunde für Sandstein, Marmor, Granit, Holz, Plastik etc.

Werkzeugkunde: Schlegel, die diversen Eisen (Stemm-, Spitz-, Zahn- und Flacheisen) etc.

Schleifverfahren, Polierverfahren

Wie können die Werkzeuge am Material effektiv eingesetzt & angewandt werden

Vorgehensweise: von der Idee zur Zeichnung zum Modell zur Skulptur. Oder: sich direkt vom gegebenen Material beeinflussen lassen

Angewandtes ist hier z.B. Erstellen von Steinbänken, Säulen, Restaurationsarbeiten, Grabsteine etc.

Freie Arbeiten wären Plastiken oder Skulpturen aus der Phantasie oder das sich leiten lassen vom Stein oder anderem Material

Erfühlen des Raumes

Dreidimensionales Umsetzen in dreidimensionales Material

Raumverständnis entwickeln

 

MALEREI (A)

Malerei umfaßt hier auch die Zeichnung. Zeichnungen erstellen von den abstrakten Grundformen Dreieck, Quadrat, Kreis hin zu komplexeren Verbindungen dieser drei Grundelemente. Erfühlen der Bedeutung von Punkt, Linie, Bogen & Fläche. Vor- und Nachteile der Zweidimensionalen erlernen, der Kombination von z.B. starken und schwachen Linien. Die Effekte der Doppelung begreifen. Danach Stilleben, Seestück, Landschaft, Portrait, Akt in expressiver, kubistischer, surrealer und realistischer Manier zeichnen.

Zur Malerei die Farbe
Farbenlehre, Wirkung der Farben, Grauwerte, Schatten, Täuschungen Tricks, etc.

Klassischer Aufbau eines Gemäldes (Schichtenmalerei)
Primärmalerei
Maluntergründe
Illusionsmalerei, Perspektive, Proportionen, Symmetrie
Neue Farben (Leuchtfarben)
Neue Techniken z.B. sprayen, spritzen, airbrush

Bei Modellarbeit
Einfühlen in das Modell. Dazu Erlernen von Konzentrationstechniken. Sehen, schauen, fixieren lernen. Von innen nach außen arbeiten.

Die angewandten Bereiche hier z.B. sind neue Formen für Schriftzeichen entwickeln, Plakatentwürfe, Wandmalereien im Außen- wie Innenbereich. Architekturzeichnungen. Neue Farbkombinationen finden. Experimentieren mit Emulsionen und Lasuren.

 

TÖPFEREI (A)

Töpferei ist das klassische Gebiet der Plastik. Ähnlich wie bei der Bildhauerei werden hier auch Materialkunde, Werkzeugkunde und die verschiedenen Techniken gelehrt. Ganz speziell ist das Material, da es zunächst ein Weiches, Plastisches ist, was erst durch die verschiedenen Brennverfahren andere Konsistenz (Keramik) annimt. Lasurtechniken werden gelernt.

Der fühlende Umgang mit dem Material genießt hier besonderen Stellenwert, da der Lernende, wie in der christlichen Mythologie, durch den Stoff selbst sich in äußerst sinnlicher Weise als Schöpfer begreift, welcher halbfeste Substanz über seinen Geist durch seine Hände formt.

Angewandte Bereiche sind: Töpfern durch z.B. Töpferscheibe oder Aufbautechnik, womit Gebrauchsgegenstände wie Tassen, Teller, Vasen hergestellt werden können. Auch Ungewöhnlicheres ist hier möglich, z.B. neue Formen finden für Beleuchtungssysteme und diese in Keramik umsetzen.

Der freie Bereich ist ähnlich wie in Malerei und Bildhauerei.

 

SIEBDRUCK & LITHOGRAPHIE (A)

Ein Bereich, welcher sich im Zweidimensionalen entfaltet, also artverwandt ist mit Zeichnung & Malerei. Er unterscheidet sich durch relativ komplizierte Technik, zumindest beim Siebdruck (Belichtungsmaschine), gibt jedoch den Vorteil, bereits durch andere Verfahren entstandene Bilder, z.B. Fotos, weiter künstlerisch zu bearbeiten und zu strukturieren.

Auch hier ist genaues Hinschauen erforderlich und soll eingeübt werden. Konstruktion und Komposition sind wichtige, zu erlernende Prinzipien. Die richtige Farbe zum richtigen Bild für das entsprechende Gefühl ist entscheidend.

Auch das Litho bedarf zumindest einer Druckerpresse, Druckplatten (Zink, Kupfer) und der entsprechenden Farben. Materialkunde, Werkzeugkunde & anzuwendende Techniken sollen in dieser Klasse genauso vermittelt werden wie in den drei voran gegangenen Bereichen.

Der Siebdruck kann sehr gut angewandt werden, z.B. in der Werbung, wobei die Lithographie doch eher für die freie Arbeit gut ist.

 

FOTOGRAFIE - VIDEO - COMPUTER (A)

Diese drei Bereiche, welche in einer Klasse zusammengefaßt werden sollen, jedoch räumliche Trennung erfahren, sind stark verwandt durch ihre Zweidimensionalität und den relativ hohen und komplizierten technischen Aufbau.

FOTOGRAPHIE

Hier soll Grundsätzliches gelehrt werden über Licht und den primären Umgang damit. Anders als in der Malerei wird hier direkt mit den Lichtquanten gearbeitet, welche aus einer Maschine durch ein Linsensystem auf das lichtempfindliche Papier fallen und dort "Bilder malen". Ähnliches passiert ja auch in dem Prozeß davor. Allerdings versteckt in einer black box (Fotoapparat). Das Entscheidende ist hier nicht die wissenschaftliche Erklärung oder der technische Aufbau der Apparate und wie diese funktionieren, sondern das "lyrische Erfühlen", das "ekstatische Empfinden", das wundervolle Staunen, was z.B. ein Lichtstrahl "zaubern" kann.

Beim Einfangen der Bilder soll auch dessen Problematik anschaulich gemacht werden (J.L.Godard: jedes eingefangene Bild ist eine Verletzung von Seelischem desjenigen, der da fixiert wird.). Nicht nur das grob Äußerliche, auch und gerade das sensibel Innerliche soll erfahren werden.

Fotographie ist im Wesentlichen eine Kunst des Augenblickes, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, in der richtigen Sekunde den Auslöser zu betätigen. Das ist entscheidend. Alle Nachbearbeitung ist zwar notwendig, aber sekundär. Das heißt Schulung des Schauens, Gefühl für Bildausschnitt, Bewegung oder Ruhe, Erlernen der verschiedenen Labortechniken, z.B. Solarisierung, Doppelbelichtung, Retouchieren etc. Behutsamer & sensibler Umgang mit lebendigen Modellen bei Bildinszenierungen (Akt, Portrait).

VIDEO

Auch hier werden die Bilder zunächst in einer Maschine (elektromagnetisch im Gegensatz zur Fotographie chemisch-mechanisch) eingefangen. Allerdings, anders als bei der Fotographie, werden diese, wenn sie sich bewegen, auch in der Bewegung wieder gegeben. Hinzu tritt noch der Ton, welcher wohllöblich mit dem Bilde korrespondieren sollte. Korrespondenz heißt hier nicht unbedingt Harmonie. Auch vollkommen Disharmonisches ist hier möglich. Manches kann noch entdeckt werden. Von daher ist der Schwerpunkt auch hier: Experiment mit Stoff & Inhalt.

Video bietet sich, wie Film, dazu an, Szenarien nicht von der Natur abzunehmen (Dokumentation), sondern künstlich zu arrangieren. Der Schwerpunkt ist jedoch immer die Bewegung.

Gelehrt wird: entwickeln eines Konzeptes (Exposè), also was will ich wie darstellen? Kameraführung, Regie, Schnitt, Beleuchtung, Ton, Tonschnitt, Tonschmischung, Einsatz von Effekten.

Um zukunftswirkend zu lehren, wird digitale Technik verwendet, welche auch mit dem Computer kompatibel ist.

Vielfältige Felder im angewandten Bereich sind möglich: Auftragsarbeiten für Behörden und Firmen, Werbung, Musicclips. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch, wie bei allem in der FKW, auf der freien Arbeit & dem Experiment.

COMPUTER

Dieser Bereich hat erst vor kurzem das Licht der Welt erblickt. Von daher, und nicht nur deshalb, sind hier sowohl im angewandten wie auch im freien Bereich große Möglichkeiten, Neues zu schöpfen.

Kunstrezipienten tun sich noch immer schwer, Computerkunst überhaupt als Kunst zu akzeptieren. Von daher ist es ein Muß für die FKW. Spätestens hier ist der Lehrende verpflichtet, auch philosophische, ethische Aspekte in seiner Lehre zu vermitteln.

Warum: der Computer, genauso wie die digitale Kamera und die digitale "Schnitteinheit" (es ist objektiv betrachtet ein Kopieren) errechnet die Bilder und Töne aus lediglich zwei Entitäten, Null & Eins. Eine mathematische Abfolge von Zahlengruppen ergibt Form & Inhalt. Das ist etwas vollkommen Neues. Nicht das Pigment, Öl, Graphit, Ton, Stein, die Chemie sind die Materialien, sondern abstrakte Zahlensymbole, aneinander gereiht durch elektromagnetische Felder. Das ist wie der Wissenschaftler, welcher in neuester Zeit in der Nanotechnologie einzelne Atome in seinem Sinne manipuliert und drapiert. Alles wird hier jetzt möglich. Widerspruchspaare, wie objektiv-subjektiv, real-irreal, Original-Kopie werden aufgehoben. Es scheint sich alles auf pure Information zu reduzieren. Ein zunächst gedankliches Durcharbeiten ist notwendig (Philosophie). Negative & positive Aspekte dieses Neuen werden diskutiert, was durchaus neue Sichtweisen und Aspekte ans Tageslicht befördern kann. Also: zunächst hier Disputationen im rein Abstrakt-Theoretischen. Darauf aufbauend setzt wieder freies Spiel und Experiment ein.

Kommunikation als Kunstform, Internet als abstrakte Skulptur im zeitlosen Raum, Vernetzung von digitalen Experimentalclips durch den Computer und Senden dieser Entitäten um den Erdball mit Ankoppelungsstellen für andere Projekte, von denen die FKW noch nichts weiß. Vieles ist hier möglich. Allerdings auch der teuerste und schwierigste Bereich.

 

PERFORMANCES - RAUMINSTALLATIONEN (B)

Im Gegensatz zu Fotographie, Video, Computer ist das eine Klasse mit den geringsten finanziellen Mitteln. Auch gibt es hier so gut wie keine kommerzielle Verwertbarkeit. Es ist ein rein freier Bereich, welcher allerdings dem Künstler selbst die höchsten und tiefsten Möglichkeiten gibt, sich effizient auszuloten. Jedoch ist dieser Bereich für das seelische Potential des Lernenden auch am Problematischsten.

PERFORMANCES

Artverwandt mit dem Theater, jedoch beileibe kein Theater. Die Einmaligkeit bestimmt den Charakter (keine Wiederholung und der Aspekt des Spontanen). Tanz, Schauspiel, Pantomime, Stillstand & Bewegung, Ton, alles ist hier einsetzbar, vieles darstellbar. Aussage - Antiaussage, Sinn - Unsinn. Genauso wie Harmonie - Disharmonie, Macht - Ohnmacht, Haß - Liebe, Glaube - Wissen.

Der Kern ist nicht lehrbar. Wie in allen anderen Klassen auch. Mut und Verwegenheit gehören hier dazu. Der Zugang jedoch kann vermittelt werden und Techniken der Umsetzung. Hier wird es überdeutlich, dass Kaschieren durch Techniken nur schwer möglich ist, zumindest für den Tuenden. In der Performance wird aktuell getan. Durch Sensibilität für das ureigene Gefühlspotential und deren Korrespondenz mit der Gruppe. Ertasten und Erformen der "Skulptur Mensch". Erarbeiten von Reaktionsmustern in bezug auf die uns umgebenden "Realitäten". Darstellung von Gefühlen durch den Körper, weniger durch die Sprache. Körperarbeit. Umgang mit Materialien, welche das durch die Aktion Dargestellte unterstützen oder konterkarieren. Einsatz von Licht & Ton etc. und wie diese effizient für das Darzustellende verwendbar sind. Gefühle und Empfindungen sollen durch Techniken künstlich erzeugt werden und die Verwertbarkeit für entsprechende Aktionen ausgelotet werden.

RAUMINSTALLATIONEN

Auch hier so gut wie keine angewandten, kommerziellen Möglichkeiten. Anders, als bei der Performance, bleibt der Künstler als Protagonist im Hintergrund. Er arbeitet nicht mit seinem Körper als Kunstobjekt. Der Rezipient sieht und hört ihn in aller Regel nicht. Alle Materialien können zur Darstellung oder Aussage verwendet werden. Es werden Materialien aus dem Alltag verwendet: trash, Gefundenes.

Notwendig ist ein größerer oder kleinerer Raum. Aspekt der Dreidimensionalität. Umbaut oder nicht umbaut. Mit Licht durchflutet oder schwarz.

Gelehrt wird: was will ich aussagen, vermitteln, rüber bringen, anregen, darstellen. Auswahl des entsprechenden Raumes als Basis für das, was in diesem Raum erscheint, sammeln und einsetzen von Materialien, wie passen sie zusammen oder wie wird arrangiert mit nicht-Passendem. Gefühl entwickeln für Dimensionalitäten, Begreifen von Form und Inhalt eines bestimmten Materials in bezug auf die Zusammenstellung mit anderen Materialien und deren Anwendung in bezug auf die Idee und den Raum, in dem sie erscheinen. Wie wirken Kraft, Gewicht, Raum, Licht im Zusammenspiel mit einer konkreten Idee.

 

PUPPENBAU

Eventuell kann eine weitere, siebte Klasse eingerichtet werden, welche zu kreativ-künstlerischen Lösungen in Bezug auf Inhalt, Form und Material gelangt. Für die Einrichtung dieser Klasse spricht, dass die Stadt Waltershausen über eine lange Tradition in diesem Bereich verfügt. Ein enstprechender Meister dürfte wohl auch hier zu finden sein. Interessant ist die Kombination aus Keramik, Stoff und Farbe, eventuell ergänzt durch Mechanik und Elektronik. Auch die Herstellung von Stab- und Handpuppen für Puppenspiel wäre hier lehrbar.

 

ANMERKUNGEN

MUSIK bleibt ausgespart, hier gibt es genug Schulen

LITERATUR ist Zukunftsmusik

DOZENTEN gesucht durch Empfehlung & bundesweite Ausschreibung    

WICHTIG
Alle Rechte für dieses Konzept liegen bei
© Christian W. Staudinger, Berlin 1999 ©

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letzte Aktualisierung: 29.11.2015

 

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